
Wie (fast) immer starten wir auch unsere aktualle Ausgabe mit safety first – Sicherheit im Segelflug und werfen einen Blick in die Statistik: haben technische Möglichkeiten und moderne Ausbildung etwas gebracht? Der zweite Bericht versucht eine Antwort auf die Frage: Sind Segelflugpiloten besser Linienpiloten? Neben dem fliegrischen Know-how ist im Airliner-Cockpit auch Teamarbeit unerlässlich und die braucht es auch im Segelflug, zum Beispiel dann, wenn wir zu zweit am Seil hängen und Schlepppilot und Segelflugpilot sich aufeinander verlassen müssen. Auf die anderen achten muss man auch in der Platzrunde, die mehr als nur ein Rechteck ist, weil sich hier der gesamte Flugbetrieb verdichtet. Wer statt am Platz zu landen einen Abstecher zu den Kühen machen muss ist dankbar, wenn sich das Flächenrad opfert und eine definierte Sollbruchstelle einen Strukturschaden verhindert. Und weil es ohne ja nicht geht schauen wir uns das Innere der Thermik genauer an bevor wir den Segelflug einfach genießen; wir gleiten in die spanische Sommer-Welle, erkunden zwischen Thermik, Wattenmeer und der Versuchung Helgolands die Friesischen Inseln, begleiten unseren Wandersegelflieger getreu dem Motto: Nur nicht aufgeben durch den Nieselregen nach Samedan und unternehmen einen kurzen aber spannenden Flug – starten, fliegen, hupen, landen – mit der T.21 Slingsby über Südafrika. Wer lieber ein wenig Adrenalin sucht und dennoch mental stark im Wettbewerb sein möchte für den hat unser Coach die passenden Tipps. Adrenalin gab es auch bei den Kunstflugtagen in Kamen, ohne Wettbewerb dafür mit Training, Typenvielfalt und Geschichte. Einen Erfolg mit langer Geschichte kann Jonker Sailplanes vorweisen, ebenso der Segelflug am Hesselberg, Nürnbergs eigene Wasserkuppe. Nicht historisch sondern brandaktuell sind wir mit der Auswertung der Vereinstarife und da zeigt sich, was Segelfliegen wirklich kostet. Zum Schluss ein wenig Theorie, denn es ist keine Hexerei: Segelflugzeug ummelden. Und dann entspannt zurücklehnen und unserer Kolumnistin folgen die sicher ist: es braucht auch Glück!
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Gespannt auf den Inhalt? Wirf hier einen Blick hinein:

Die meisten großen Geschichten des Segelflugs spielen in den Alpen. Dort entstehen Rekorde, Meisterschaften und die Bilder, die man aus Kalendern und Filmen kennt: mächtige Wolkenstraßen entlang schneebedeckter Grate, endlose Gleitflüge über Fels und Eis.
Der Norden ruft
Ganz anders Richtung Nordsee zu den Friesischen Inseln.Dort wartet eine andere Art des Segelfliegens. Keine spektakulären Gebirgsketten, keine hohen Geschwindigkeiten entlang gewaltiger Hänge. Stattdessen ein Fluggebiet, das den Segelflieger langsam aus seiner Komfortzone lockt. Die Basis sinkt, die Thermik wird schwächer, der Wind nimmt zu. Genau genommen fliegt man dorthin, wo man segelfliegerisch eigentlich gar nicht hinmöchte. Und gerade das macht den Reiz aus.
Eine Idee lässt nicht mehr los
Die Idee zu diesem Flug entstand in einem Gespräch mit Tim Markwald, dem Inhaber von M+D Flugzeugbau. Irgendwann erwähnte Tim eher beiläufig, dass er seit Jahren einen besonderen Preis (zwei Fässer Bier) ausgeschrieben hatte:
Vom Flugplatz Bohlenberger Feld aus sollten zwei Friesische Inseln als Wendepunkte umrundet werden. Ein Flug, der einfach klang – und genau deshalb schwierig war.
Nachdem geklärt war, dass ich die Aufgabe auch von Borken-Hoxfeld aus fliegen durfte, begann mich die Sache nicht mehr loszulassen. Immer wieder schaute ich Wetterkarten an, verglich Vorhersagen und überlegte, welche Bedingungen wirklich nötig wären, um einen solchen Flug sauber durchführen zu können. Denn die Nordsee verzeiht keine schlechte Planung.
Zwischen Bussarden und Möwen
Je näher man der Küste kommt, desto deutlicher verändert sich die Atmosphäre. Die Thermik wird unzuverlässiger und der Wind kräftiger. Auch die Landschaft erzählt einem, dass man sich von vertrautem Segelflugterrain entfernt. Die Bussarde werden weniger. Dafür tauchen immer mehr Möwen auf. Und wenn diese Möwen irgendwann zu Fuß gehen, sollte man spätestens dort umdrehen.
Ein außergewöhnlicher Wettertag
Am 17. Juli 2018 passte schließlich vieles zusammen. Schon die Wettervorhersage war ungewöhnlich: Besonders auffällig war die für die Nordsee angekündigte Basishöhe von rund 2000 Metern. Für das Küstengebiet war das außergewöhnlich gut. Gleichzeitig waren jedoch Überentwicklungen angekündigt, außerdem sollte der Westwind im Tagesverlauf deutlich zunehmen. Ein typischer Tag also, an dem man sich fragen musste: „Geht da wirklich etwas – oder wird es nur ein schöner Versuch?“
Start in Borken-Hoxfeld
Um 12:00 Uhr startete ich mit meinem Ventus 2 CM „D-KAYY“ in Borken-Hoxfeld. Bereits kurz nach dem Abheben entwickelte sich der Tag besser als erwartet. Die Basis stieg schnell auf etwa 1500 Meter an, die Steigwerte waren ordentlich und der Flug nach Nordwesten lief überraschend zügig. Mit jedem Kilometer wurde klarer, dass die Vorhersage tatsächlich stimmen könnte.
Spätestens ab Lingen begann der Tag außergewöhnlich zu werden. Die Basis stieg weiter an und erreichte schließlich nahezu 2000 Meter. Für einen Nordseeflug fühlte sich das fast surreal an. Die Kilometer Richtung Küste verschwanden erstaunlich schnell unter den Tragflächen. Um 14:15 Uhr überflog ich Norderney als ersten Wendepunkt – mit fast 2000 Metern Höhe. So schnell war ich noch nie zur Nordsee geflogen.
Über das Wattenmeer
Wer mehrfach zu den Inseln geflogen ist, kennt normalerweise den Ablauf. Man nähert sich vorsichtig der Küste, tastet sich hinaus zu den Inseln, fliegt zurück zum Festland, um erneut Höhe zu tanken und versucht anschließend, die nächste Insel zu erreichen. Gerade bei mehreren Wendepunkten bedeutet das oft ein ständiges Pendeln zwischen Insel und Festland (…)
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